Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf
 

Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Wohnen im Dialog» diskutierten Fachleute Ende Oktober über neue Modelle des urbanen Wohnens. Das Interesse an durchmischtem, generationenübergreifendem Wohnen ist riesig – das zeigte der grosse Besucherandrang.

«Man lernt sich anders kennen, wenn man in einer selbstverwalteten Siedlung lebt», ist Fachreferent Martin Geilinger, Geschäftsführer der Genossenschaft Gesewo überzeugt. «Bei alltäglichen Aktivitäten – wie dem gemeinsamen Jäten – entstehen richtige Freundschaften.» Wohnen im Dialog interessiert – junge wie ältere Menschen. Sie möchten heute stadtnah leben; Kultur-, Einkaufs- und Freizeitangebote in nächster Nähe geniessen, vor der Haustür den eigenen kleinen Garten bewirtschaften und eine aktive Nachbarschaft pflegen. Diese neue Entwicklung – die Verdichtung nach innen – dient der Nachhaltigkeit und ist eine Chance für neue, generationenübergreifende Wohnformen.

«Die Nachfrage nach neuen Wohnformen ist riesig.»

Martin Geilinger, Geschäftsführer Wohnbaugenossenschaft Gesewo

Entstehen keine Konflikte bei einer so starken Durchmischung? «Natürlich läuft nicht alles reibungslos, wenn man so nahe zusammen lebt», doch das gehört für Martin Geilinger dazu. «Durch Reibung entsteht Wärme», fügt er schmunzelnd an. Seiner Erfahrung nach überwiegen die positiven Aspekte. Persönlich lebte er lange Jahre in der Sagi Hegi, einem der 14 gemeinschaftlich organisierten Häuser der Gesewo.


Begegnungszone Gemeinschaftsraum 

Vieles ist möglich und wird gemeinsam auf die Beine gestellt in generationenübergreifenden Siedlungen; so zum Beispiel Konzerte oder Openairs. Auch die Zwischenräume werden genutzt. Wiesen, Treppenhäuser – es soll auch ausserhalb der eigenen vier Wände etwas passieren.

Dass dies funktioniert, beweist das Beispiel Kalkbreite in Zürich, das an diesem Abend präsentiert wird. Mitten in Zürich gelegen, leben hier rund 230 Menschen jeden Alters. Die Bauweise der Kalkbreite ermöglicht Clusterwohnungen. So können Kleinwohnungen zu Clustern mit grossem Gemeinschaftsraum und Küche gruppiert werden, es gibt Grosshaushaltungen mit rund 20 Wohnungen oder verschiedene Grosswohnungen für das Wohnen in Gruppen. Die Besucher sind vom Beispiel Kalkbreite beeindruckt. «Es wäre grossartig, wenn dieses Modell auch in Winterthur Schule machen würde», ist der allgemeine Tenor.

Winterthur bekommt in den nächsten Jahren eine weitere, gemeinschaftliche Wohnsiedlung. Das Projekt Werk 1 soll auf dem ehemaligen Sulzer Areal über 80 neue Wohnungen für alle Generationen schaffen. «Die Nachfrage nach neuen Wohnformen ist riesig. In fünf bis zehn Jahren werden sie deutlich an Bedeutung dazugewonnen haben», ist Martin Geilinger überzeugt. Urbanes Wohnen im Dialog wächst.

Claudia Steiger

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