Seit je gab es am früheren «Zentrum am Obertor» Seminare für die Vorbereitung auf die Pensionierung. Wir haben uns mit Felix Kobelt unterhalten. Während 23 Jahren hatte er die drei bzw. zweitägigen Seminare für die Stiftung geleitet.

Felix, Du hast unsere Seminare viele Jahre erfolgreich moderiert. Was hat sich in all den Jahren verändert? Welche Bedürfnisse der Teilnehmenden sind gleich geblieben?

Früher löste die Pensionierung eher Angst aus in die Bedeutungslosigkeit zu versinken. Die Menschen sind heute weniger abhängig von der Arbeit als alleiniges Mittel der Bestätigung. Sie freuen sich darauf, nicht unter fremdbestimmtem Zeitdruck zu stehen und den Tag nach eigenen Bedürfnissen einteilen zu können.

Auch war es für Paare früher selbstverständlich, dass sie den Lebensabend gemeinsam verbringen werden. Sie fragen sich heute: Passen wir noch zusammen? Haben wir Lust auf einen gemeinsamen Lebensabend? Falls nicht, sind sie eher bereit für eine Trennung und einen Neuanfang.

Zudem fühlen sich die Menschen freier in ihren Möglichkeiten. Diese können allerdings auch eine Überforderung sein. Angesichts der begrenzten Lebenszeit möchte man als «junger Alter» noch möglichst viel erleben.

Die starre Pensionierungsgrenze ist in Bewegung. Menschen arbeiten häufig in anderer Form weiter als bisher. Trotzdem bleibt das Ende der aktiven Erwerbszeit ein Wendepunkt im Leben. Wie können sich Babyboomer darauf vorbereiten? Was rätst du?

Tätig sein, seine Fähigkeiten und Begabungen einbringen können, verschafft am meisten Befriedigung. Insofern dünkt es mich wichtig, bereits während der Arbeitstätigkeit diese Fragen ins Auge zu nehmen: Wenn ich von den äusseren Zwängen abstrahiere, was gefällt mir an der Arbeit? Welche Begabungen kann ich zur Geltung bringen? Bin ich mir dessen bewusst, ist es nach der Pensionierung einfacher, entsprechende Felder  zu finden. Die wichtigste Frage finde ich also: Wer bin ich?

In der Regel bleibe ich – wenn ich  meiner Leidenschaft nachgehe – auch mit anderen Menschen verbunden. Individuell gestalten heisst auch, immer wieder mal einen Zwischenhalt einzuschalten und sich zu fragen: Stimmt das noch? Was will ich beibehalten, was ändern?

Du bist über die Jahre mit den Teilnehmenden älter geworden und nun selber ein Best Ager. Wofür engagierst du dich aktuell? Welche Pläne hast du?

Bei mir wird es ein fliessender Übergang: Ich werde weiterhin aktiv in meiner psychologischen Praxis bleiben, wohl bis 70 oder länger. Daneben engagiere ich mich ehrenamtlich. Diese Engagements werde ich beibehalten. Sie vernetzen mich mit anderen Menschen, die ähnliche Interessen haben.

Wichtig ist mir gesundheitlich «zwäg» zu bleiben. Dafür treibe ich Sport und Gymnastik. In den letzten Jahren ist das Bedürfnis dazugekommen, mich politisch einzubringen. Allerdings suche ich dafür noch ein geeignetes Feld. Parteiarbeit im üblichen Sinn interessiert mich weniger.

Und mit meiner Frau bin ich daran, ein Wohnprojekt für die nächste Phase aufzugleisen.
Da läuft also schon einiges.

Wir danken dir herzlich für deine Treue und für dein Engagement! Wir wünschen dir viel Erfolg bei «Avantage».