Nathalie Brägger von der Genossenschaft Migros Ostschweiz verteilt Tischnummern34 begeisterte Jassteams haben sich zum Generationenjass am Obertor in Winterthur eingefunden – darunter auch eine Schulklasse mit ihren Eltern, Göttis und Gotten, Tanten, Onkel, Nachbarn und Grosseltern. Mindestens 15 Jahre Altersunterschied müssen zwei Jasspartner aufweisen. So wollen es die Teilnahmebedinungen der Genossenschaft Migros-Ostschweiz, die mit der Idee des Jassturniers die Beziehungen zwischen den Generationen beleben will.

Gemeinsam auftrumpfen schweisst zusammen

Die Stimmung am Eingang ist aufgeräumt. Das gemeinsame Ziel, den Gegner zu übertrumpfen, bringt den Altersunterschied zum Verschwinden und macht die ungleichen Jasspartner zu Komplizen. „Es ist eine wunderbare Gelegenheit, Zeit mit meinem Enkel zu verbringen. Wir haben zu Hause auch schon intensiv trainiert“, erzählt ein Senior, der mit seinem 10-jährigen Enkel inmitten einer bunten Mischung von Alt und Jung auf die Tischzuteilung wartet. Nachdem Projektleiterin Nathalie Brägger von der Genossenschaft Migros-Ostschweiz die Turnierregeln erklärt und die Tischnummern für die zweite und dritte Runde verteilt hat, kann es losgehen:

Die erste Jassrunde ist gespielt

„Ui, das hett ja e Chischte geh“, entfährt es der weisshaarigen Dame über dem Jassteppich. Valeria, die ihr gegenübersitzt, grinst auf den Stockzähnen. Nach acht Spielrunden haben Grossmutter und Enkelin diese erste Partie mit acht Spielen für sich entschieden. Doch gewonnen haben sie noch lange nicht, denn jetzt ist Tisch- und Gegnerwechsel angesagt.

Wer hat die besseren Karten?

Wer hat die besseren Karten?

dieser-stich-gehoert-uns

Dieser Stich gehört aber uns!

„Es kommt auch auf die Karten an“, fügt Valerias Grossmutter hinzu. Diese erste Partie haben sie gegen ein Team mit einer eher unerfahrenen Jasserin gewonnen, denn Valerias Schulkameradin Semira ist Albanerin. Bei ihr zu Hause wird nicht gejasst, sondern „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt. Deshalb tritt Semira nicht mit einem Familienmitglied an, sondern mit der Mutter eines Schulkameraden.

«Wir haben keine Ahnung, welche Chancen wir haben. Wir wissen ja nicht, wie gut die anderen jassen können.»

Valeria

Semira und Valeria besuchen zusammen die fünfte Klasse im Schulhaus Talhof. Ihr Lehrer, Emmanuel Monteleone, baut das urschweizerische Kartenspiel ins Fach „Mensch und Umwelt“ ein. Er unternehme vieles mit seinen Schülern, vor allem im Bereich Sport. Seine Klasse sei sogar Vizemeister im Handball geworden, sagt der Lehrer, der beim heutigen Jassturnier selbstverständlich mitspielt. «Das Jassen ist für die Schüler einmal etwas ganz anderes, das schweisst zusammen!», ist er überzeugt.

auch-der-klassenlehrer-jasst-mit

Auch der Klassenlehrer jasst mit

 

Den Schulklassen winkt ein Besuch im Säntispark

Es ist nicht das erste Mal, dass Emmanuel Monteleone mit einer Klasse beim Generationenjass teilnimmt. So fragte er auch die neue Klasse, ob sie Lust hätten, beim Jassturnier mitzumachen. Er brauchte nur anzukündigen, dass die Klasse mit den meisten Teilnehmenden einen Besuch im Säntispark gewinne, und schon waren die Schüler Feuer und Flamme.

Jasstraining mit freiwilligen Seniorinnen und Senioren

Um gegen die Jasskönige und Jassköniginnen unter den Teilnehmern überhaupt einen Stich zu haben, nahmen viele Teams die Gelegenheit wahr, eine Woche vor dem Turnier beim Jasstraining mitzumachen, das die passionierte Jasserin Brigitte Oppliger in den Räumen der Stiftung Generationen-Dialog anbot. Die Seniorin machte sie mit den Jassregeln vertraut, gab ihnen Kniffs und Tricks mit auf den Weg und steht auch heute, am Turniertag, für Ratschläge zur Verfügung. Brigitte Oppliger gehört zu den 50 Seniorinnen und Senioren im Freiwilligenpool der Migros Genossenschaft Ostschweiz, die sich zur Unterstützung des Projekts Generationen-Jass gemeldet haben, das jedes Jahr an acht Standorten in der Ostschweiz parallel stattfindet.

Das Migros Kulturprozent verbindet Generationen

Mindestens 15 Jahre Altersunterschied müssen die Jasspartner haben – so lautet die Regel beim Generationen-Jass. Die Idee dazu entstand vor drei Jahren, als die Migros Genossenschaft Ostschweiz im Rahmen des Förderschwerpunkts Generationenbeziehungen nach einem geeigneten Projekt suchte. Um sicher genügend Teilnehmer zu haben, können sich auch Schulklassen anmelden. Sogar Integrationsklassen hätten schon teilgenommen, erzählt Projektleiterin Nathalie Brägger. Spielen und Jassen verbindet eben nicht nur Generationen, sondern auch Nationalitäten.