Alltag danach: Lebensträume verwirklichen? Neu durchstarten?
 

Alltag danach: Lebensträume verwirklichen? Neu durchstarten?

Bald erreicht die Babyboomer-Generation das Rentenalter. Beim zweitägigen Seminar der AXA Stiftung Generationen-Dialog entwirft eine bunte Gruppe ihre Ideen zur Gestaltung der Lebensphase nach der Pensionierung. Wie sie sich den «Alltag danach» vorstellen, und welche Themen für sie im Vordergrund stehen, ist so unterschiedlich, wie ihre bisherigen Lebensentwürfe.

In der Pause wird angeregt diskutiert: Der Seminarblock, in dem zwei Jungpensionäre aus ihrem engagierten Leben erzählt haben, polarisiert. Dies seien eben überdurchschnittlich vitale, gut situierte Personen mit einem breiten Beziehungsnetz. Für Menschen in weniger privilegierter Ausgangslage würden diese Vorbilder Leistungsdruck aufbauen. Für Seminarleiter und Psychologe Felix Kobelt eine wichtige Erkenntnis: «Jeder und jede muss seinen eigenen Weg finden.»

Dass man auf seine Ressourcen Rücksicht nehmen muss – finanziell, physisch wie auch psychisch – wird auch in den Gruppenarbeiten deutlich. Wichtig sei, dass man sich die nötige Unterstützung hole, um seinen Wunsch zu verwirklichen, hat eine Arbeitsgruppe für sich festgehalten.

Fitness für Körper und Geist

Input Gesundheit und Vitalität: Anregende Übungen und Entspannung sind wichtig.

Input Gesundheit und Vitalität: Anregende Übungen und Entspannung sind wichtig.

«Weich sein, heisst loszulassen» – «Wer in den Ehrgeiz arbeitet, wird scheitern.» Mit einprägsamen Sätzen wie diesen führt Sportlehrer Roland Bärtsch ins Feldenkrais-Training ein. Nicht durch Leistung, sondern durch gezielte Entlastung sollen die Seminarteilnehmenden neue Spannkraft erlangen.

Als ehemaliger Leistungssportler hatte er selbst erst als Schmerzpatient nach seiner Karriere gelernt, ein Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln. Diese Erkenntnis will er weitergeben. Seine Merksätze lassen sich eins zu eins auf das Leben übertragen. Zum Beispiel: «Sitzen ist eigentlich etwas Schönes, wenn es Dynamik hat.»

Zunächst einmal mehr Freiheit geniessen

Wie bei der AXA üblich, hatte Pia Murer von ihrem Arbeitgeber zum 58. Geburtstag die Einladung zum Seminar erhalten. Das trifft sich gut, dachte sie bei sich, denn bis zum Kursdatum würde ihr Mann Beat gerade frisch pensioniert sein. «Die Vorstellung, dass ich wie bisher an vier Tagen pro Woche zur Arbeit fahre, während Beat allein zu Hause sitzt, machte mir ein bisschen Angst. Ob er seine Zeit sinnvoll zu nutzen weiss?» Bis jetzt hatte der Berufs- und Alltagsstress ihr gemeinsames Leben bestimmt.

Frisch pensioniert

Pia und Beat Murer freuen sich auf ein Leben ohne Alltagsstress.

Inzwischen ist der Jungrentner seit zwei Monaten pensioniert: «Ich bin froh, dass der Stress weg ist. Ich kann jetzt den Tag so gestalten, wie ich möchte – eine neu gewonnene Freiheit». Er sei noch gar nicht an dem Punkt angelangt, wo er nichts anzufangen wisse mit seiner Zeit. «Das kommt wohl erst noch.» Vormittags übernimmt er Arbeiten im Haushalt und kümmert sich intensiver als bisher um seine Hauswartfunktion. Der Nachmittag gehört ihm. Da geht er hinaus in die Natur oder liest ein Buch.

 

Geschafft sei sie, meint Pia Murer beim gemeinsamen Mittagessen im Schlosshotel. Es seien intensive Stunden gewesen, fügt ihr Mann hinzu. Den beiden erging es wie vielen anderen Teilnehmenden: Die individuelle Liste der Fragestellungen wird im Laufe des Seminars länger, und blinde Flecken treten ans Licht.

«Uns hat der Austausch begeistert; mit Menschen, die im gleichen Boot sitzen und ähnliche Fragen und unausgesprochene Ängste mit sich tragen.»

Pia und Beat Murer

Länger arbeiten, um die Rente aufzubessern

Christine Burkhard will ihren Ruhestand erfinderisch angehen.

Christine Burkhard will ihre Zukunft erfinderisch angehen.

Ganz anders die Situation von Christine Burkhard: Die allein lebende Spitex-Fachfrau erreicht demnächst das Pensionsalter, wird aber in der Mütterberatung der Spitex noch ein Jahr weiterarbeiten.

Nachdem sie mehrere Jahre im Konkubinat gelebt hatte, wurde ihr erst kurz vor der Pensionierung bewusst, dass sie aufgrund der Teilzeitpensen aus früheren Jahren mit tieferen Pensionskassenleistungen rechnen musste.

Sie ist froh, dass ihr Arbeitgeber eingewilligt hat, ihren Arbeitsvertrag über das Rentenalter hinaus zu verlängern. So kann sie ein weiteres Jahr Familien beraten und gleichzeitig ihre Rente aufbessern.

Sie fühlt sich fit, versprüht Energie und liebt ihre Arbeit. Was danach kommt, steht nicht so sehr im Vordergrund. «Meine Situation ist eben anders als die eines langjährigen Kadermitarbeiters.» Sie will das Leben geniessen und die Sache erfinderisch angehen.

 «Das Seminar hat mir bestätigt, dass ich mit meinen Gedanken nicht falsch lag, und es hat mir zusätzliche Möglichkeiten aufgezeigt. Ich bin gespannt auf die Pensionierung.»

Christine Burkhard

Schlosspark-Idyll

Schlossgarten von Gerzensee

Schlossgarten von Gerzensee

Einzig aus den Spaziergängen im Schlossgarten wurde an diesem Wochenende nichts. Erst kurz vor Seminarende lichtete sich der Himmel. So zeigte sich Gerzensee doch noch von seiner idyllischen Seite.

Beim Verabschieden zeigt sich: es entstand Kitt in dieser kurzen Zeit. Müde aber mit neuem Schwung reisen alle ab.



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